











Es herrschte wieder ein wenig Platzmangel. Von den 17 Unterrichtsräumen, die die Schule besaß, waren 15 Klassenräume, ein Raum stand für den Werkunterricht zur Verfügung, fast immer ausgebucht, ebenso der Filmraum, denn damals zeigten noch Filme einen Teil der nahen und fernen Welt, der bekannten und unbekannten Materie. Das »schöne« Wort »Video« war noch unbekannt.
18 Lehrkräfte unterrichteten in der Schulgemeinschaft, darunter zwei Nonnen. Das Kollegium war noch keine »Altengemeinschaft«, sondern frisch und dynamisch mit einem Durchschnittsalter von 35 Jahren. Die meisten Damen hießen damals noch Fräulein, und die Herren, wenn auch jung und fortschrittlich, kamen »wohlangezogen« mit einer Krawatte zur Schule. Es herrschte noch »Ordnung« trotz nachkonzillarer Zeit.
Mit einer durchschnittlichen Klassenfrequenz von 30 Kindern lag die Marienschule etwa zehn Prozent unter den Klassenfrequenzen der staatlichen Schulen. Der Anteil der Kinder, die auf weiterführende Schulen gingen - Realschule und Gymnasium - war prozentual höher als bei vergleichbaren staatlichen Schulen.
Es gab mehrere Gründe, warum Eltern ihre Kinder in die katholische Volksschule schickten. Einerseits gaben gläubige Eltern ihre Kinder zur Ausbildung in die Marienschule, weil sie die religiöse Erziehung der Schule überlassen wollten, oder weil sie annahmen, geringere Klassenfrequenzen als an der staatlichen Schule mache die Schule leistungsfähiger; andererseits aber zählten wohl die Gründe und Meinungen, die davon ausgingen, daß in einer Schulgemeinschaft, in der Eltern, Schüler, Geistliche und Lehrer sich als Partner verstehen, Kirche und Glaube erfahrbar werden.
Nach dem 11. Vatikanischen Konzil wird jeder Christ mehr und mehr vor die Aufgabe gestellt, selbst sein Handeln nach seinem Gewissen zu entscheiden. So kann auch die Schule dem Kind keine fertigen Konzepte für seinen Lebensweg vermitteln, aber sie will dem Heranwachsenden helfen, nach der von Gott gesetzten sittlichen Ordnung zu leben.
Kirche und Glaube können aber nicht erfahren werden in einer rein wissenschaftlichen Glaubensüberweisung, wie der Bremer Staat den Religionsunterricht zu prägen versuchte, sondern die katholische christliche Gewissensbildung braucht Vorbilder und Atmosphäre, wie Pastor Möller es einmal formulierte. Diese Atmosphäre zu schaffen und nach christlichen Vorbildern leben zu helfen, ist eine Teilaufgabe der St.-Marien- Schule. So bietet diese Schule den Kindern den christlich-katholischen Glauben und das Leben mit der Kirche als eine Chance für ein sinnvolles und glückliches Leben an.
Dazu gehören das Gebet und der Schulgottesdienst, das bewußte Miterleben christlicher Fest- und Feiertage als Angelpunkt christlicher Erziehung. In den 60er Jahren wurde jeden Tag vor Unterrichtsbeginn ein Gebet gesprochen. Das hat sich geändert, die Gebetsform ist allmählich eine andere geworden. Der Morgenkreis kam auf. Schüler erzählen von ihren Erlebnissen, Schmerzen und Freuden, alles wird Gott vorgetragen.
Christliche Erziehung heißt auch Teilnahme an den Gottesdiensten. Gemeinsam besuchten damals einmal die Woche alle Schülerinnen und Schüler mit den Lehrkräften die Schulmesse. Dienstags war Schulmeßtag. Schüler machten Altardienst, und die Lehrer waren nicht nur als »Ordner« tätig, sondern als Lektor, manchmal als Meßdiener. Sie erhoben auch schon mal ihre Stimme im Gottesdienst, wenn die erbauliche Geschichte von »Klaus und Birgit« zu langatmig geriet. Heute hat der Schulgottesdienst andere Formen, eine andere Gestaltung; doch wichtig bleibt das Mittun der Kinder, um so christliche Atmosphäre und katholischen Glauben zu erleben und vielleicht zu leben.
Bis Mitte der 70er Jahre war den Lehrkräften die Kommunion und Beichtvorbereitung im Rahmen des schulischen Religionsunterrichts in die Hand gegeben. Die Klassen des 2. oder 3. Schuljahres empfingen in St. Marien die erste heilige Kommunion, unabhängig von der Gemeindezugehörigkeit was nach Hörensagen schon einmal in einer Nachbargemeinde zu einem »Donnerwetter« von der Kanzel geführt haben soll. Heute werden die Kommunionkinder in der Heimatgemeinde auf ihren Freudentag vorbereitet.
Die Marienschule wurde lange als Gemeindeschule gesehen und gelebt. Die Anfänge der Schule, tragische Geschehnisse, die Auflösung in der NS- Zeit und der Wiederaufbau haben sicher dazu beigetragen, daß Gemeinde und Schule sich wie eine Einheit fühlten. Einige Lehrkräfte waren in der Altenbetreuung und der außerschulischen Betreuung von ehemaligen Schülerinnen und Schülern aktiv, andere arbeiteten in kirchlichen Ausschüssen mit.
Viele Mitglieder der Mariengemeinde verließen ihre Stammgemeinde, als die Neubausiedlungen in Huchting in Horn und in der Vahr entstanden. Auch mehrere Lehrkräfte, die vorher das marianische Geläut hatten hören können, zog es in neue Behausungen. Vor allem junge Familien fanden eine Wohnung in den neuen Wohngebieten, so daß die Schülerzahl von 450 im Jahre 1965 auf 335 im Jahr 1967 zurückging. Dieser Rückgang hing aber auch mit schulpolitischen Änderungen zusammen.
1955 war der Schuljahresbeginn wegen der NS-Zeit auf den 1. April festgelegt worden, aber ab 1967 sollte das neue Schuljahr mit dem 1. August beginnen. »Warum wir das machen, weiß keiner«, soll ein Bildungsminister gesagt haben. Aber man machte es. So wurde im Bund überlegt, ob man vom 1. April 1966 mit zwei Kurzschuljahren auf den Termin vom 1. August 1967 kommen wollte oder ob man ein Langschuljahr einplanen sollte. In Bremen entschied man sich für die Kurzschuljahre. An diesen Beschluß fühlte sich auch die katholische Schule gebunden.
Die 1966 eingeschulten Kinder hatten in nur 14 Monaten bis zum 3. Schuljahr die Schule durchlaufen. Trotzdem wurde erwartet, daß sie zum Beispiel zusammenhängende fremde Texte lasen. Viele Kinder konnten die an sie gestellte Erwartung nicht erfüllen. Genauso schwierig war es für die Übergänger der 4. Klasse zum Gymnasium, eine Möglichkeit, die bis 1977 bestand. Vielen fehlte ein halbes Jahr, sie waren entwicklungsmäßig nicht soweit. In der Marienschule wurde versucht, durch geeignete zusätzliche Fördermaßnahmen die Kinder an das von ihnen erwartete Wissen und Können heranzuführen und durch verstärkte Differenzierung die leistungsstarken Schüler zu fördern.
Eine neue Idee war, die Jahrgangsklassen durch mehr Leistungsgruppen umzuändern. Man begann in den 60er Jahren mit der Differenzierung im 5. und 6. Schuljahr durch die/Aufteilung der Schüler in sogenannte Abc-Kurse in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch. Das nannte man Förderstufe, eine Vorgängerin der Orientierungsstufe. Später kam man dahin, die Aufteilung der Schüler nach Leistungsgruppen wieder aufzuheben und versuchte, in der Orientierungsstufe mit Hilfe von Kleingruppen die Schüler zu fördern oder zu fordern.
Die Schule war in den 60er Jahren im ganzen in Bewegung. Neue pädagogische Konzepte kamen auf den Markt, um dem sogenannten Bildungsnotstand zu begegnen.
So wurde die Idee geboren, den Anfangsunterricht kindgemäßer und attraktiver zu gestalten. Der Anfangsunterricht, in dem das Kind durch das Erlernen des Lesens, Schreibens und Rechnens beginnt, seine Umwelt besser zu erfassen, ist unter anderem auch eine Voraussetzung für eine verständigere Mitfeier des Gottesdienstes und für den Empfang der Eucharistie.
Nun wurde damals darüber gestritten, ob das Erfassen eines Textes besser über die analytische Methode gelingt bei der das Kind vom ersten Tage an sinnvolle Textganzheiten liest; oder war es besser, wie seit Jahrzehnten praktiziert, aus den erlernten Buchstaben erst richtige Wörter zusammenzusetzen, oft ohne Textzusammenhang.
In der Marienschule versuchte man, soweit wie möglich, beide Methoden zu verbinden. Ähnlich wird noch heute verfahren, und irgendwann haben alle Kinder »katholische« und »weltliche« Texte lesen gelernt. Hielt sich die Diskussion in der Elternschaft und in der Öffentlichkeit über die richtige Methode des Lesenlernens noch in Grenzen, so gingen die Wogen über die richtige Methode, den Kindern das Rechnen beizubringen, doch sehr hoch. Der Begriff »Mengenlehre« war Anfang der 70er Jahre in aller Munde.
In vielen Gesprächen, auf Elternabenden und bei Eltern besuchen mußte den besorgten Müttern und Vätern erklärt werden, was die sogenannte Mengenlehre bezwecken will. Heute spielt diese nur noch eine untergeordnete Rolle.
Neben der Organisation von Unterricht und Bildung in, der Mitarbeit in der Gemeinde versuchten manche Lehrer in politischen Gremien mitzuwirken, wieder andere verbrachten viel Freizeit damit, einen Schwimmunterricht zu organisieren, der nunmehr seit über 30 Jahren an der Schule erteilt wird, damals noch etwas Neues. Es gab wenige Bäder. Das Zentralbad war bis zum Bau des Westbades Anlaufstelle der Marienschülerinnen und -schüler, um schwimmen zu lernen.
So wie der Schwimmunterricht ohne staatliche Vorgabe und ohne staatliche Hilfe eine Aufgabe bestimmter Lehrkräfte der Marienschule gewesen war, so starteten sie 1966 ein Programm, um die Schüler sicheren Weges zur Schule zu bringen. Mit der Polizei wurde über zwei Ampeln für einen sicheren Schulweg der Marienschüler verhandelt. Der Wunsch bestand darin, eine Ampel an der Überquerung des Steffenswegs in Höhe der St.-Magnus- Straße zu setzen und eine zweite Ampel an der Ecke Wartburgstraße/St.-Magnus-Straße. Heute stehen diese Ampeln längst, aber 1967 kam bei der Aktion heraus, daß ein Schülerlotsendienst an diesen beiden Punkten eingerichtet wurde und von einem Polizisten ein Verkehrsunterricht erteilt wurde.
Der Weser-Kurier berichtete darüber am 9. Mai 1967: »Die Schule an der Hauffstraße zeichnet sich in Bremen durch eine besonders intensive Pflege des Verkehrsunterrichts aus, und gehört zu dem noch nicht sehr großen Kreis von Schulen, die dabei einen engen Kontakt zur Schutzpolizei gefunden haben. Im April konnten 280 der älteren Schüler ihren Fahrradführerschein entgegennehmen. Die Marienschule ist an einer besseren Verkehrserziehung besonders interessiert, weil sie als Konfessionsschule ein sehr großes Einzugsgebiet hat.«
Heute ist das Einzugsgebiet der St.-Marien-Schule nicht erheblich kleiner geworden, und der Verkehrsunterricht wird weiter im Sinne der Schultradition gepflegt. Der Schulhof ist wieder neu als Verkehrsgarten gestaltet, doch die Anzahl der Schülerinnen und Schüler, die die Grundschule besuchen, ist auf etwa hundert gesunken. So machen keine 280 Schüler heute den Fahrradführerschein; doch jedes Jahr bestehen alle Schüler der Klasse 4 diese wichtige Verkehrsprüfung.
Engagiert waren die Lehrer der katholischen Schulen, das konnte man immer wieder lesen und auch hören in der Diaspora Bremen. Die christliche Oberzeugung war das Fundament für die Arbeit an der katholischen St.-Marien Schule.
Die Lehrkräfte genossen in den 60er Jahren stets das Wohlwollen und Vertrauen der Geistlichen, mit denen sie kollegial zusammenarbeiteten. Von seiten der kirchlichen Hierarchie wurde niemals versucht, in die Arbeit der Schule hineinzureden oder gar Vorschriften zu machen. Dieser pädagogische Freiraum schaffte den Ausgangspunkt, an dem sich Eigeninitiative, Kreativität, Phantasie und Freude an der Arbeit entwickeln konnten.
Nicht nur zum Verkehrsunterricht gab die Schule einen Anstoß für andere staatliche Schulen, auch waren die katholischen Schulen die ersten, die ein Betriebspraktikurn im 9. Schuljahr durchführten, was seitens der Behörden mit vielen Schwierigkeiten verbunden war. Heute ist ein solches Praktikum längst selbstverständlich geworden. Die Jungen wurden oft, wie es sich für ein Hafenrandgebiet gehört, bei der AG »Weser« untergebracht, manchmal auch bei der katholischen Firma Leffers. Die Mädchen dagegen machten im Josephstift ein vierwöchiges Sozialpraktikum. Viele Mädchen haben nach dem Schulabschluß im Josephstift eine Ausbildung begonnen.
Eine tiefgreifende Veränderung brachte 1969 für die katholische Volksschule die Einrichtung einer »Katholischen Gesamtschule«, wie sie sich zunächst nannte. Geboren wurde die Idee bei einer Sitzung des Verbandes der katholischen Lehrerschaft. Nach diesem Plan wurden alle 7. bis 10. Klassen in St. Johann in einer Schule zusammengefaßt. Damals verließen die Herren Claes, Keuth, Kloppmann und Spliethoff die Marienschule, um an der »Integrierten Haupt- und Realschule« in St. Johann mitzuarbeiten.
Zum Schuljahresbeginn 1969 besuchten nur noch 214 Kinder die Marienschule, die als Grundschule mit Förderstufe in neun Klassen und sechs Jahrgängen weiterbestand. Nach diesem Reformschnitt kam es zu einem weiteren Rückgang der Schülerzahlen durch eine Fluktuationswelle - ein zweiter Auszug in Neubaugebiete -, ebenfalls verließen zwei Lehrer die Schule. Im Schuljahr 1970/71 wurden nur noch sieben Klassenverbände mit 190 Schülern unterrichtet.
Nach einigen Jahren ruhigen Arbeitens und stetigem Steigens der Schülerzahlen kam es 1975 zu einer Finanzkrise in de katholischen Gemeinde, wovon besonders die Lehrerschaft betroffen war. Alle angestellten Lehrer im Schuldienst erhielten eine vorsorgliche Kündigung, außerdem wurde beschlossen, das 5. und 6. Schuljahr von St. Joseph nach St. Marien zu verlegen, was nochmals zu einem leichten Anstieg der Schülerzahlen führte.
Im Schuljahr 1976/77 besuchten 290 Kinder die Marien schule, wovon 30 Prozent evangelisch waren. Die Erziehungsberechtigten dieser Schülerinnen und Schüler stimmten den Grundsätzen dieser Schule zu, und sie waren bereit das Schulleben verantwortlich mitzutragen. Hier wurde Ökumene zu einer konkreten und praktischen Aufgabe, und die Schule gewann viele Freunde in nicht kirchlich gebundenen Kreisen. 1976 führte die Schule die Fünftagewoche ein, was zur schulischen und pädagogischen Entspannung und Entkrampfung des Wochenendes führte. Es ging unter anderem darum, die schulischen Verhältnisse der veränderten Arbeitswelt anzupassen und eine familiengerechte Lösung herbeizuführen.
Als die Orientierungsstufe 1977 in Bremen die einzige Schulform für Fünft- und Sechstkläßler wurde, führte auch die katholische Gemeinde Bremens diese Ortentierungsstufe ein, die mit sechs Klassen in St. Marien angesiedelt wurde. Es wurde ein Konzept erstellt, das es ermöglichte, über die Hälfte der Unterrichtsstunden in Halbklassen zu unterrichten; ein Konzept, das Wilhelm Tegethoff, erster Leiter der Orientierungsstufe, lange Zeit mit all seiner Kraft und Energie verteidigen konnte. Im Zuge von Sparmaßnahmen ist dieses Konzept hinfällig geworden. Ein Kleinklassenmodell wurde angedacht, das zum 1. August 1997 eingeführt wurde.
Die St.-Marien-Schule war eine Grundschule geworden. 1979 waren es noch sechs Schuljahrgänge, die diese Grundschule besuchten. 1982 wurde durch Beschluß des Kirchenvorstandes die Anzahl der Klassen auf vier begrenzt. Ob Schulleiter Hans Schnieders die Schule zu klein wurde, hat er nie geäußert. Er trat 1982 mit 62 Jahren in den verdienten Ruhestand. Sein Nachfolger wurde Wilhelm Tacke, damals auch Schulleiter von St. Joseph.
Schwester Kunigunde, eine ruhige und bescheidene Frau, die als letzte der Nonnen 1977 den Dienst an der Marienschule beendet hatte, starb im August 1981. Lehrerin Maria Hörnschemeyer erkrankte im Schuljahr 1982/83 und starb am 1. Juli 1983. Sie war eine Erzieherin, die immer in »Augenhöhe« mit den Kindern sprach. Nun ist die St.-Marien-Schule eine kleine Grundschule mit vier Klassen und etwa 100 Schülerinnen und Schülern, seit 1987 unter der Leitung von Hermann Grote.
Die Marienschule ist bemüht, den Kindern einen möglichen Weg ins Leben zu zeigen und mit der Elternschaft in einer vertrauensvollen Schulgemeinschaft zusammenzuarbeiten. Die Mitarbeit der Eltern war immer gegeben und ihre Initiative immer vorhanden, Wenn es darum ging, konkrete Aufgaben zu übernehmen. Dazu gehörten gemeinsame Feste, Feiern, Aktivitäten und Aktionen, inzwischen auch die Mithilfe im Unterricht.
Schon 1967 waren Eltern aktiv dabei, um zehn Jahre Neubau der Schule zu feiern, auch viele Vorkriegskinder kamen und freuten sich über einen gelungenen Neubeginn.
Die vorbildliche Zusammenarbeit der Schulgemeinschaft zeigte sich auch, als Elternbeirat und Lehrerschaft beschlossen, den 90. Geburtstag der Marienschule im Jahre 1989 zu begehen. Es wurde ein großes Fest.
Die Turnhalle war zur Begrüßung überfüllt, vier Schülergenerationen vom Grundschüler bis zur Urgroßmutter wurden willkommen geheißen. Von nah und fern waren Ehemalige angereist, und in ungezwungener Atmosphäre konnten Erinnerungen ausgetauscht und neue »Klassentreffen« beschlossen werden.
Die Eltern waren auch sofort dabei, als 1978 die Schule ihre erste Aktion für die Armen in der Welt durchführte. Ihre Mitarbeit wie die von ehemaligen Schülern und Schülerinnen, ehemaligen Eltern und Gemeindemitgliedern haben dazu beigetragen, daß jede Aktion zum Erfolg wurde, ob für die Arbeit der inzwischen verstorbenen Mutter Teresa in Indien, für eine Leprastation oder ein Krankenhaus in Afrika oder auch für die »Müllmenschen« von Kairo.
Erfolg nicht nur, weil so im Laufe der Jahre 320 000 Mark für die Menschen in Not, »For God's Poor«, gesammelt wurden; sondern auch deshalb, weil diese Aktion immer Treffpunkt für ehemalige Marianer ist. Dann zeigen auch manche frühere Schülerinnen und Schüler gerne, was aus ihnen geworden ist.
Als 1988 mit Spitzhacke und Boschhammer die Teerdecke des Schulhofs aufgerissen wurde, um ein Spielgerüst für die Schüler zu setzen - einige Ehemalige meinten zwecks Bombensuche - waren die Eltern nicht nur bereit, durch Spendenbeiträge das Gerüst bezahlbar zu machen. Nein, Eltern und Schüler schleppten auch den Kriegsschutt im Schweiße des Angesichts zum Container. Für das Justieren und Fundamentieren boten sich auch Eltern an, so daß das ganze Gerüst in Eigenarbeit erstellt werden konnte. Der TÜV hatte nichts daran auszusetzen.
Eine weitere Großaktion mit Eltern und mehreren Gemeindemitgliedern war im Jahre 1989 das Pflanzen eines Baumes inmitten des Schulhofes, der auch noch vielen Kindern an heißen Sommertagen etwas Schatten spenden soll. Pastor Richand Möller unterstützte auch diese Aktion mit etwas »flüssig Brot«.
Natürlich meldeten sich auch Eltern zur Mithilfe, wenn der Schulhof neu bemalt oder gestaltet wurde. Wenn Geld fehlte zur Renovierung der Klassen, wurden auch hier immer wieder Eltern tätig. Selbst bei der Differenzierung der Nachhilfe für weniger begabte Kinder waren Eltern bereit zu helfen. Für »ihre Schule« stritten und kämpften sie im positiven Sinne mit, wenn neue schulpolitische und schulpädagogische Änderungen nicht einsehbar waren. Wo Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler zusammenarbeiten, wird Schule positiv erfahrbar, und man denkt gern an diese Zeit zurück.

